Neuromotorische Entwicklungsförderung
INPP® - Birgit Pulz


Moro-Reflex

Dieser Reflex bereitet das Nervensystem auf den Umgang mit potentiell lebensbedrohlichen Gefahren vor. Er bildet sich in der 12. Schwangerschaftswoche aus. Bestimmt können sie sich noch erinnern wie sich ihr Baby in den ersten Lebenswochen bei Erschütterung, plötzlichen lauten Geräuschen oder grellem Licht erschreckte, wie die Ärmchen manchmal zitternd zu Seite warf, tief Luft holte und dann oft schrie während es die Arme wieder schloss (Entwicklungsgeschichtlich haben sich die Affenbabys mit der Schließbewegung an der Affenmama festgeklammert und los ging die wilde Flucht).

Moro-Reflex beim Baby

Parallel macht sich der Körper bereit für Flucht oder Kampf: die Stresshormone Cortisol und Adrenalin werden ausgeschüttet, Blutdruck, Puls, Atemfrequenz und Blutzuckerspiegel steigen.

Ist der Mororeflex bei einem Baby nicht ausreichend ausgeprägt, meldet es sich bei unangenehmen Empfindungen wie Kälte oder Hunger nicht. So kann es nach der Geburt zu bedrohlicher Gewichtsabnahme kommen.

Zwischen dem 2.-4. Lebensmonat sollte der Mororeflex durch eine reife Schreckreaktion (schnelles Hochziehen der Schultern, Kopfdrehung zur Störquelle und dann bewußte Entscheidung was zu tun ist) abgelöst werden.

Hinweise auf einen persistierenden (bleibenden) Moro-Reflex:

  • Kinder oder Erwachsene, die mit einem persistierenden Mororeflex reagieren, sind permanent wachsam, um jede potentielle Gefahr zu erkennen. Ihren geweiteten Pupillen, ihrem überempfindlichen Gehör entgeht nichts. Da schon kleine Stressoren eine Ausschüttung von Stresshormonen bewirken und Körper und Geist in „Hab-Acht-Stellung" gehen, können diese Kinder sehr wissbegierg, schau und gut informiert, immer auf Höchstleistung programmiert und überall dabei sein. Wenn es ungünstig läuft, sicht v.a. ihre Ablenkbarkeit und schlechte Konzentration hervor, jeden Reiz im Klassenzimmer nehmen sie wahr. Normale Alltagssituationen werden wie ein Angriff beantwortet. Moro geprägte Kinder brauchen schnell auf, schreien, schlagen, beißen oder rennen in einem unangemessenen Gefühlsausbruch laut weinend auf Mamas Schoß. Die Aggressionen sind primär nicht bösartig und geplant, sondern eher reflexhaft. Nach der Hochleistungsphase oder dem Gefühlsausbruch folgt die große Erschöpfung (mangelnde Ausdauer).
  • Da das morogeprägte System ständig auf die potentielle Gefahr achtet, sind die Kinder oft sehr ängstlich. Sie vermeiden bedrohliche Situationen, beharren auf bekannten Abläufen, mögen nichts Neues und Überraschendes.
  • Körperlich: Allergien und Immunschwäche, Gleichgewichtsprobleme wie Reiseübelkeit, schlechte Balance und Koordination, Schlafstörungen (jedes Geräusch, Irritation führt zur Adrenalinausschüttung), Verdauungsprobleme, Bluthochdruck bei Erwachsenen

Ist der Moro-Reflex nie richtig ausgereift, kann sich ebenfalls keine reife Schreckreaktion ausbilden. Betroffene Kinder und Erwachsene reagieren auf potentielle Bedrohungen mit Rückzug, Verlangsamung, z.T. mit regelrechter Erstarrung. Sie sind oft übersensibel, sehr ängstlich, schüchtern und können zu Depressionen neigen.


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